Bindung und Babymassage

Eine Hausarbeit von Marie Krüger zum Modul GfG-Babymassage

„Bindung ist das gefühlstragende Band, das eine Person an eine andere spezifische Person knüpft und das sie über Raum und Zeit miteinander verbindet.“ (John Bowlby)

Bindung ist ein menschliches Bedürfnis. Es bezieht sich auf die dauerhafte emotionale Beziehung zwischen zwei Menschen. Nach der Bindungstheorie von John Bowlby ist Bindung die besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Bezugspersonen. Dabei spielt die Fähigkeit von Neugeborenen, andere Menschen durch bestimmte Verhaltensweisen zu einer Bindung zu bewegen, also Bindung auszulösen und aufrechtzuerhalten, eine besonders wichtige Rolle. Diese Bindung erzeugenden Verhaltensweisen, z.B. Weinen, Blickkontakt oder Klammern, sind angeboren. Denn für Babys, die sehr unreif zur Welt kommen, sind Bezugspersonen, die sich um sie kümmern, überlebenswichtig. Sie füttern es, geben ihnen Geborgenheit und Zuwendung.

Gleichzeitig binden sich Babys in den ersten Lebenswochen und -monaten aber auch genau an diese Personen, die es versorgen und ihm vertraut werden.
Die Bindung zwischen Eltern und Kind entsteht durch gemeinsame Erfahrungen. Eine große Rolle hierbei spielt die Qualität der gemeinsam erlebten Zeit. Die Babymassage gibt Eltern und Kind eine optimale Voraussetzung intensiv Zeit miteinander zu verbringen, miteinander vertraut zu werden und über Berührung miteinander in Kontakt zu kommen.

Vorraussetzungen der Massage
Soll die Babymassage erfolgreich die Eltern-Kind-Bindung stärken, so ist es wichtig, dass einige Voraussetzungen erfüllt werden:

  • sowohl dem Baby als auch der Mutter / dem Vater muss die Umgebung ermöglichen, sich wohlzufühlen und sich zu entspannen ( einladende, entspannende Atmosphäre, bequeme Unterlage für das Baby, bequeme Sitzhaltung für das massierende Elternteil, kein starker Lärm, Wärme, Sauberkeit, keine unangenehmen Gerüche)
  • Entspannende Übung für das Elternteil vor Beginn der Babymassage
  • Das Baby um Erlaubnis fragen: möchte das Baby massiert werden? (die Massage endet immer, wenn das Baby nicht mehr für die Massage bereit ist, auch wenn dies bereits nach wenigen Minuten der Fall ist).
  • Auch die Eltern sollten sich die Erlaubnis geben, an bestimmten Tagen nicht zum Massieren bereit zu sein (körperlich, emotional) und dies ihrem Kind erklären.
  • Sensibilisierung der Eltern für die Signale des Kindes fördern

„Die Grundlage der Bindung zwischen Mutter und Säugling ruht eher auf Berührung und Stimulierung der Sinnesorgane als auf Füttern oder Pflege.“ (Ruth Rice)

Die Bedeutung des Tastsinns für die Eltern-Kind Bindung
Bereits 12 Wochen nach der Empfängnis nehmen Embryonen im Mutterleib Berührungen am ganzen Körper, ausgenommen dem Kopf, wahr. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Tastsinn auch der am weitesten entwickelte Sinn bei Neugeborenen ist. Daher kommt dem Kontakt zwischen Eltern und Kind durch Berührung so eine große Bedeutung zu.
Babys haben ein großes Berührungsempfinden. Sie fühlen sich beschützt und geborgen und lassen sich leichter beruhigen, wenn sie getragen, gehalten und berührt werden. Durch die Berührung während der Massage entsteht Nähe zwischen dem Baby und dem massierenden Elternteil. Bei beiden wird das „Bindungshormon“ Oxytocin ausgeschüttet, was die Bindungsbereitschaft bei Baby und Bezugsperson verstärkt.
Durch regelmäßige Babymassage und die damit verbundene Nervenstimulation über die Haut fördern Eltern auch die Ausreifung des unreifen Nervensystems ihres Kindes. In Bezug auf die Eltern-Kind-Bindung spielt hier besonders die Ausreifung des limbischen Systems eine große Rolle, da dieses Hirnareal für die Gefühlswahrnehmung zuständig ist.

Eltern-Kind-Bindung und Augenkontakt
Ein weiterer Bindung fördernder Faktor zwischen Eltern und Kind ist der intensive Blickkontakt während der Babymassage. „Der Blickkontakt ist eine unserer intensivsten Kommunikationsformen und ein fundamentales Bindeglied zwischen Mutter und Kind.“ (Schneider, 2002) Dabei bietet die Massagesituation die ideale Voraussetzung für Blickkontakte zwischen Mutter und Kind, da hierbei der optimale Abstand von 20 bis 30 cm (optimale Sehdistanz von Neugeborenen) zwischen kindlichem und mütterlichem Gesicht gegeben ist . Oftmals können sich junge Mütter „gar nicht sattsehen“ an ihrem Baby. Durch ihre zufriedenen Blicke und ihre entspannte Mimik während der Massage geben sie auch dem Kind zu verstehen, dass es sich entspannen kann und geliebt wird.

Der sprachliche Kontakt während der Massage zwischen Eltern und Baby
Auch wenn die besondere Bedeutung für die Entwicklung der Eltern-Kind-Bindung während der Babymassage in der nonverbalen Kommunikation liegt, kann auch der Hörsinn des Babys durch begleitende Worte der Eltern angesprochen werden. Das Baby lernt die Stimme seiner Mutter bereits im Mutterleib kennen, sie ist ihm vertraut und vermittelt ihm somit Sicherheit.
Spricht oder singt die Mutter während der Massage mit ihrem Kind, so kann das Baby zwar nicht genau verstehen, was sie sagt, es empfängt jedoch durchaus die Gefühle und Empfindungen seiner Mutter. Die Mutter kann ihrem Kind somit auch auf verbalem Weg ihre Liebe und Fürsorge mitteilen.
Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang auch der an das Baby gerichteten Frage zu, mit der das Baby um Erlaubnis zum Massieren gefragt wird. Das massierende Elternteil wendet sich vor Beginn der Massage seinem Kind zu und zeigt ihm deutlich mit einem immer wiederkehrendem Symbol (beispielsweise dem Verreiben des Massageöls zwischen den Händen) den Beginn des Massagerituals an. Dabei fragt es das Kind beispielsweise:“Möchtest du, dass ich dich massiere?“ Die Eltern zeigen hiermit Achtung für die Bedürfnisse ihres Kindes. In zunehmenden Maße wird das Kind ihnen durch Signale seine Bereitschaft oder auch seine Ablehnung für die Massage mitteilen können. In gleichem Maße werden die Eltern lernen die Signale ihres Kindes zu verstehen.

Förderung der Sensibilisierung von Mutter/Vater 
Durch die intensive Konzentration der Mutter auf das Baby während der Massage, lernt diese genau die Signale ihres Babys zu deuten. In zunehmende Maße ist es so der Mutter möglich die Bedürfnisse ihres Babys wahrzunehmen und so auf diese einzugehen. Die Mutter wird kompetenter und selbstsicherer im Umgang mit ihrem Kind, das Baby macht die Erfahrung, dass achtsam mit ihm umgegangen wird und auf seine Bedürfnisse sofort reagiert wird. Das Baby erfährt durch diese Feinfühligkeit seiner Bezugsperson und durch die zuverlässige Befriedigung seiner Bedürfnisse ein hohes Maß an emotionaler Sicherheit, Respekt und Wertschätzung. All dies ist die Basis für eine sichere und glückliche Bindung zwischen dem Kind und seiner Bezugsperson.

Babymassage als tägliches Ritual
Rituale geben Kindern und bereits schon Säuglingen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Die Babymassage eignet sich hervorragend dafür, als ein tägliches Ritual in den Tagesablauf integriert zu werden. Dabei ist es nicht von Bedeutung zu welcher Tageszeit die Massage durchgeführt wird, sondern dass sie immer zur gleichen Tageszeit durchgeführt wird, also beispielsweise immer morgens, immer abends vor dem Schlafen oder immer nach dem Baden. Schön ist es hierbei die Massage immer auf die gleiche Art anzukündigen, etwa mit ruhiger Musik oder einem Lied. Damit wird es dem Baby leichter fallen, sich bereits auf die bevorstehende Massage zu freuen und sich zu entspannen. Anschließend wird immer der gleiche Massageablauf durchgeführt, so dass sich das Kind auf die Griffe einstellen kann und nach einiger Zeit bereits weiß, was es als nächstes erwartet. Wie bei der Einleitung der Massage, sollte diese auch immer auf die gleiche Weise beendet werden, also wieder mit einem Lied oder ruhiger Musik.

Die Bedeutung der Babymassage bei frühgeborenen Babys und nach traumatischen Geburten
Nach einer traumatisch erlebten Geburt oder auch einer Frühgeburt ihres Kindes fällt es manchen Eltern schwerer, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Hierbei kann die Babymassage unterstützend wirken. Durch die sanften Berührungen während der Babymassage können sie auf eine harmonische Art den Kontakt zu ihrem Kind intensivieren und gleichzeitig mehr Selbstvertrauen im Umgang mit dem Neugeborenen erlangen.

Auch für die betroffenen Babys kann die Massage die Bindung zu seinen Eltern erleichtern. Nach traumatischen Erlebnissen, beispielsweise durch medizinischen Eingriffe, erleben die Kinder eine positive Berührung der traumatisierten Körperstellen. Das Erleben von sanften Berührungen, Fürsorge und Liebe hilft den Babys bei der Verarbeitung und lässt ihr Vertrauen in die Eltern wachsen.
Wichtig hierbei ist jedoch auch die Aufklärung der Eltern darüber, dass Kinder nach traumatischen Geburtserlebnissen, Kaiserschnitten oder Frühgeburten, besonders sensibel auf Massage reagieren können. Manche Kinder müssen sich erst an die Berührungen gewöhnen oder möchten an bestimmten Körperstellen nicht massiert werden. Respektieren Eltern diese Empfindungen ihrer Kinder und lassen ihnen Zeit sich an den intensiven Körperkontakt während der Babymassage zu gewöhnen, kann die Massage auch unter erschwerten Bedingungen zu einer großen Bereicherung für die Eltern-Kind-Bindung werden.

Literatur:

  • Eliot, Lise: Was geht da drinnen vor? Berlin Verlag, 2003
  • Largo, Remo H. : Babyjahre. Piper Verlag, 2010
  • Laves, Ute: Liebe hautnah erleben. Infantastic Verlag, 2012
  • Schneider, Vimala: Babymassage. Kösel Verlag, 2002
  • Woodfield, Julia: Gesunde Kinder fördern kranke Kinder heilen. Novalis Verlag 1996
  • http://www.roland-pfister.net/downloads/studium/GS_Entwicklungspsychologie_II.pdf

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